Die lange Reise von Malum Morale

Ja, fünf Jahre. So lange hat mich Malum Morale begleitet. Ein Psychothriller, der nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern viele, die im echten Leben beginnen. Aber keine Sorge: Dies ist kein biografischer Bericht. Es ist ein Blick hinter die Kulissen; in das, was ein Buch fordert, schenkt und verändert.

In diesen fünf Jahren habe ich Länder bereist und Grenzen überschritten – geografisch und emotional.Ich habe meinen Vater verloren. Ich habe Teile von mir gefunden, die ich vergessen hatte, und andere, die ich hinter mir ließ. Manchmal fühlte es sich an, als würde ich nicht an einem Buch arbeiten, sondern das Buch an mir.

Es gab in dieser Zeit Menschen, die Spuren hinterließen:

  • einen Narzissten (klingt ausgelutscht, war aber nun mal so)

  • eine siebenjährige Beziehung, die endete

  • eine Depression, die mich zwang, langsamer zu werden

Aber Malum Morale ist nicht ihre Geschichte. Es ist ein Destillat dessen, was Begegnungen mit uns machen können: Wie sie uns formen, täuschen, zerstören und aufrichten.

Es begann in einer Zeit, in der die Welt stillstand: 2020. Lockdown. Isolation. Zahlenkolonnen in den Nachrichten. Eine globale Pandemie, die plötzlich alles infrage stellte, was vorher selbstverständlich war.

Ich begann Malum Morale inmitten dieser kollektiven Unsicherheit. Nicht aus Langeweile. Nicht als Pandemieprojekt. Sondern weil ich endlich wieder schreiben wollte. Der Zeitpunkt brachte mir die Ideen und Gelegenheiten.

Ich konsumierte damals obsessiv True-Crime-Podcasts (vor allem Mordlust). Stundenlang hörte ich von Verbrechen, Motiven, moralischen Abgründen. Und irgendwann stellte sich nicht mehr die Frage „Wie konnte das passieren?“ sondern „Was bringt einen Menschen wirklich dazu?“.

Mich interessierte weniger die Tat als der Kipppunkt. Der Moment, in dem Moral bröckelt.

 

Schreiben im Ausnahmezustand

Während draußen Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen herrschten, begann ich, mich literarisch mit genau dem auseinanderzusetzen, was wir kollektiv spürten: Kontrollverlust. Ein Psychothriller erschien mir als das ehrlichste Genre für diese Zeit. Denn was ist ein Thriller anderes als das Durchspielen von Angst unter kontrollierten Bedingungen?

Doch das Leben blieb nicht stehen, nur weil ich schrieb.

2022 kam der Krieg in Europa. Der Angriff auf die Ukraine veränderte erneut das kollektive Sicherheitsgefühl. Plötzlich war das Unvorstellbare nicht mehr historisch sondern geografisch nah. Während ich an moralischen Grenzverschiebungen meiner Figuren arbeitete, verschoben sich reale moralische Ordnungen weltweit. Das Schreiben bekam eine andere Dringlichkeit.

 

Wenn die Welt dunkler wird – schreibt man heller oder dunkler?

Ich habe mich für die Dunkelheit entschieden. Nicht, um sie zu verherrlichen. Sondern um sie zu analysieren. Malum Morale ist kein Kriegsroman. Kein Pandemie-Roman. Aber er ist durchzogen von einem Grundgefühl dieser Jahre:

  • Unsicherheit

  • Misstrauen

  • moralische Ambivalenz

  • die Frage, wem man glauben kann

  • und wie dünn die Schicht zwischen „zivilisiert“ und „instinktiv“ wirklich ist

Vielleicht ist genau das der Kern eines Psychothrillers: Er zeigt, dass das Monster selten von außen kommt.

 

Persönliche Erfahrungen – literarisch transformiert

Oft werde ich gefragt, wie viel Autobiografie in meinen Texten steckt. Die ehrliche Antwort: Erfahrungen fließen ein. Aber sie erscheinen nicht als Protokoll, sondern als Essenz. Neue Dynamiken, emotionale Manipulation, Verlust, Krieg, depressive Phasen… Das alles verändert die Wahrnehmung von Macht, Abhängigkeit und Moral. Doch keine Figur in Malum Morale ist eine reale Person. Es sind Verdichtungen. Spiegelungen. Möglichkeiten.

Die fünf Jahre Arbeit am Roman waren weniger ein kontinuierlicher Schreibprozess als ein Pendeln zwischen Leben und Literatur. Manchmal schrieb ich intensiv. Manchmal monatelang nicht. Manchmal veränderte ein persönliches Erlebnis eine ganze Figur. Es fühlte sich an, als würde ich nicht nur eine Geschichte entwickeln sondern eine Haltung.

 

Warum fünf Jahre?

Weil ich langsamer wurde. Depression verlangsamt. Trauer verlangsamt. Selbstreflexion verlangsamt. Und vielleicht war genau das notwendig. Malum Morale brauchte Zeit, weil ich Zeit brauchte. Um zu verstehen, was ich da eigentlich erzähle.

 

Vom Thriller zu neuen Themen

Heute arbeite ich an einem neuen Projekt: Wenn Haie brennen & Löwen tauchen.

Es ist inspiriert von eigenen Erfahrungen mit toxischen Dynamiken, aber kein autobiografisches Werk.
Es geht um:

  • Autonomie und persönliche Freiheit

  • narzisstische Verstrickungen

  • Identitätsverlust und Rückeroberung

  • emotionale Gewalt

  • und die Frage, wann Anpassung zur Selbstverleugnung wird

Vielleicht war Malum Morale der erste Schritt. Das Verstehen der Dunkelheit. Und das neue Projekt ist der zweite. Die Selbstbehauptung darin.

 

Fünf Jahre später

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich keinen geradlinigen Schreibprozess.

Ich sehe:

  • eine Pandemie

  • True Crime als kulturelles Phänomen

  • einen Krieg in Europa

  • persönliche Verluste

  • innere Umbrüche

  • Reisen

  • Rückzüge

  • Neuanfänge

Und dazwischen: ein Manuskript, das mit mir wuchs. Vielleicht sind Bücher genau das. Nicht Produkte. Sondern Zeitkapseln. Malum Morale ist meine Zeitkapsel von 2020 bis 2025. Ein Psychothriller – ja. Aber auch ein stiller Kommentar zu einer Welt, die in diesen Jahren gelernt hat, wie fragil sie ist.

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