Warum ich dunkle Geschichten erzähle

Ich werde oft gefragt, warum meine Geschichten so dunkel sind. Warum Gewalt darin vorkommt. Obsession. Moralische Grauzonen. Warum ich mich nicht für leichtere Stoffe entscheide.

Psychothriller und Dark Romance sind keine Eskapismus-Genres für mich. Sie sind Seismografen. Sie zeigen, was passiert, wenn Kontrolle kippt. Wenn Liebe zur Waffe wird. Wenn Menschen nicht mehr funktionieren, sondern handeln. Mich interessieren keine perfekten Figuren. Mich interessieren Menschen, die Grenzen überschreiten. Aus Angst, Begierde und Einsamkeit. Menschen, die Dinge tun, für die es keine einfache Entschuldigung gibt.

Dark Romance wird oft missverstanden. Als Romantisierung von Gewalt. Als toxische Fantasie. Ich sehe es als Sensibilisierung, Aufklärung und Female Rage. Es kommt immer drauf an, wie es beschrieben wird. Was mich zusätzlich daran fasziniert, ist nicht die Tat, sondern die Dynamik dahinter: Macht, Abhängigkeit, Projektion, Begehren. Die Frage, warum wir uns manchmal genau zu dem hingezogen fühlen, was uns zerstören könnte.

Psychothriller wiederum erlauben mir, noch tiefer zu gehen. In das Unausgesprochene. In das, was wir denken, aber nie sagen würden. In das moralische Niemandsland zwischen Täter und Opfer.

Die Kombination aus beidem: ein spannender Jackpot.

Vielleicht lesen wir dunkle Geschichten nicht, weil wir das Böse lieben, sondern weil wir verstehen wollen, wozu Menschen fähig sind. Auch wir selbst.

Dieses Künstlertagebuch ist kein Making-of meiner Bücher.
Es ist der Raum dazwischen.
Zwischen Recherche und Gefühl.
Zwischen Faszination und Unbehagen.